VfL-Siegesserie reißt in Hagen: 28:30 Niederlage

HANDBALL-LANDESLIGA: VfL hadert mit Schiedsrichtern und muss Vizemeisterschaft abhaken

Nach einer Serie von zuvor fünf siegreichen Spielen, mussten die Handballer des VfL Edewecht beim heimstarken Hagener SV zum ersten mal wieder in eine völlig unnötige 28:30 (13:16) – Niederlage einwilligen und konnten im Kampf um die Vizemeisterschaft die überraschenden Punktverluste der Konkurrenten aus Achim/Baden (27:27 gegen Altenwalde) und Jever/Schortens (17:20 gegen FriPe) nicht für sich nutzen. Während die Gastgeber vor großer Kulisse den wichtigen Heimsieg im Kampf um den Klassenerhalt feierten, haderten die Ammerländer mit einigen gerade in der Schlussphase sehr fragwürdigen Schiedsrichterentscheidungen. Ein dennoch möglicher Punktgewinn wurde allerdings im letzten Angriff durch einen eigenen technischen Fehler hergeschenkt.

Wurde in der Schlussviertelstunde schmerzlich in der Deckung vermisst: Finn Ole Wiechert (re.), der aufgrund einer überzogenen Roten Karte des Feldes verwiesen wurde (Foto: Dennis Leskys)


Edewecht. „Das Spiel dürfen wir nicht verlieren“, brachte es VfL-Trainer Knut Trepper schnell auf den Punkt. „Wir hatten einen klaren Matchplan und so lange wir uns an diesen gehalten haben, sah man auch, dass wir das bessere Team waren. Leider nur haben wir uns nicht konsequent an diesen gehalten“, ärgerte sich Trepper hinterher.

Die ersten 15 Minuten liefen noch exakt danach. Die VfLer setzten die taktischen Vorgaben konsequent um und erspielten sich eine verdiente 9:6-Führung, die aber zu diesem Zeitpunkt schon weitaus deutlicher hätte ausfallen müssen. „Wir haben bis dahin bereits fünf freistehende Würfe liegen gelassen“, rechnete Trepper vor und musste mit ansehen, wie sich die schlechte Chancenverwertung auch im weiteren Verlauf wie ein roter Faden durch die Partie zog.

Am Ende brachte es der VfL-Angriff zwar lediglich auf eine Quote von 56% verwandelter Würfe, dennoch hätte die deutlich bessere Spielanlage der VfLer reichen müssen, um die zwei Punkte aus dem Landkreis Cuxhaven mitzunehmen. Doch das plötzliche und unnötige Abweichen von den taktischen Vorgaben gehörte auch in Hagen leider wieder einmal zum Repertoire, mit dem die junge VfL-Truppe agierte. „Die Dinge, die zuvor gut laufen, werden nicht konsequent weitergemacht, stattdessen spielen wir Sachen, die überhaupt nicht zum Matchplan gehören“, musste Trepper mit ansehen, wie die Gastgeber innerhalb von nur fünf Minuten den Spieß in eine 11:9-Führung umdrehten.

Und in diesem Turnus ging es fortan weiter. Wann immer die VfLer ihre spielerische Überlegenheit auf die Platte brachten, robbten sie sich an die Gastgeber heran, konnten sich ob der auch weiterhin vielen vergebenen Chancen im weiteren Verlauf aber nicht mehr von den Gastgebern absetzen.

In der engen Schlussphase haderten die VfLer zudem mit einer Reihe gegen sich getroffener Schiedsrichterentscheidungen. Da war zunächst die völlig überzogene Rote Karte gegen Finn Ole Wiechert (43.), der sich im Zweikampf lediglich gegen einen Ellenbogenschlag und somit einer klaren Tätlichkeit des Hageners Jensen zu schützen versuchte, aber selbst zum Erstaunen der Gastgeber völlig überraschend zusammen mit ihm vom Platz gestellt wurde. „Das war eine absolute Fehlentschediung. Finn Ole fehlte uns in der Schlussviertelstune natürlich schon sehr in der Abwehr“, ärgerte sich Trepper aber nicht nur über diese Entscheidung. Auch die Zeitspielauslegung war nach Meinung der Gäste über die gesamte Spielzeit hinweg ziemlich einseitig zugunsten der Gastgeber ausgelegt worden und stieß den VfLern insbesondere in der Schlussphase enorm auf. „Wir bekommen im zweiten Durchgang gefühlt in jedem zweiten Angriff nach nur wenigen Sekunden Zeitspiel angezeigt und Hagen konnte jedes Unterzahlspiel ohne jeglichen Druck beinahe komplett runterspielen“, ordnete Trepper ein.

Und auch in der letzten Spielminute gab es beim Stand von 28:28 berechtigten Grund auf Seiten der VfLer, sich benachteiligt zu fühlen, denn obwohl die Gastgeber eine völlig freistehende Wurfgelegenheit vergaben und die Edewechter ihrerseits zum siegbringenden Angriff hätten ansetzen können, erhielt der HSV einen Freiwurf zugesprochen und ließ sich diese zweite Chance nicht entgehen und markierte 15 Sekunden vor dem Abpfiff die erneute 29:28-Führung.

Trepper nahm unmittelbar im Anschluss daran seine letzte Auszeit, wechselte den Torwart gegen den siebten Feldspieler um mit dem letzten Agriff zumindest den wichtigen Punktgewinn zu sichern. „Wir hatten uns genau für so eine Situation einen Spielzug zurechtgelegt und ich bin der festen Überzeugung, dass der auch funktioniert hätte“, so Trepper. Doch zunächst einmal erregten die Schiedsrichter erneut die Gemüter der Gäste, als sie die Partie sechs Sekunden nach Wiederanpfiff ohne ersichtlichen Grund unterbrachen.

„Angeblich sei etwas mit der Anzeigetafel nicht ok gewesen, aber es schien eher so, dass einer der Referees das Spiel wegen eines vermeintlich zu vielen Feldspielers unterbrach und schlichtweg übersehen hatte, dass wir den Torwart gegen den siebten Feldspieler gewechselt hatten. In jedem Fall hat die erneut einsetzende Diskussion über die dann auch nicht einmal vollständig zurück erhaltenen Sekunden nachhaltig die Konzentration unserer Jungs gestört“, ärgerte sich Trepper, der zwölf Sekunden vor dem Abpfiff dann in Schockstarre verfiel, als ausgerechnet Top-Scorer Dany Kruse einen Blackout der „besonderen Art“ erlebte und mit dem Wiederanpfiff nicht den Ball den Regeln entsprechend abspielte, sondern zunächst einmal aufprellte. Die Schieris erkannten – in diesem Fall zurecht – auf technischen Fehler und Ballbesitz Hagen, die diesen dann mit dem Schlusspfiff zum Endstand ins leere VfL-Tor der VfLer beförderten.

„Dany war natürlich untröstlich, aber wir machen ihm keinen Vorwurf. Die Hektik rund um die Unterbrechung war groß und das ist auch schon Weltklassespielern passiert“, fand Trepper tröstende Worte für seinen Goalgetter, der zusammen mit Sohn Max (beide je 9 Treffer) überhaupt erst entscheidend dazu beitrug, dass die VfLer die Chance zum Punktgewinn erhielten.

„Leider ist die Vizemeisterschaft für uns nun nicht mehr errecihbar, aber wir wollen die tolle Saison, die die Jungs bis hierhin schon gespielt gaben, mit einem Heimsieg über Meister Schiffdorf beenden und zuhause ungeschlagen bleiben. Schließlich können wir auch immer noch Dritter werden – und wer weiß, wofür das am Ende noch gut ist“, hofft der Coach am Samstag noch einmal auf eine volle Breeweg-Halle zum Saisonkehraus.


Tor: Röder, Fröhlich – Feld: Smit, Roßkamp, Felgner (1), Trosin, Kruse (9), Max Trepper (9/3), Nadzyn (3/1), Wiechert, Stolle (3), Lüschen (3).

Strafwürfe: VfL: 4/4 – HSV: 2/2

Zeitstrafen: VfL: 4 (Wiechert 2, Felgner und Lüschen je 1) – TS: 3

Bes. Vorkommnis: Rote Karte (43.) gegen Jensen (HSV) und Wiechert (VfL)

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